Pflichtteil an einer Erbschaft

Erbschaft Pflichtteil

Der Pflichtteil ist ein gesetzlicher Erbanspruch und besteht in der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteilsberechtigte wird damit zwar kein Erbe, hat aber einen Zahlungsanspruch in Höhe seines Pflichtteils gegen den oder die Erben.

Wann steht mir der Pflichtteil zu?

Von Oma doch nur die blauen Augen geerbt? Wenn Sie als pflichtteilsberechtigte Person im Testament nicht benannt wurden oder gar ausdrücklich enterbt sind, steht Ihnen der Anspruch auf den Pflichtteil zu. Zudem kann der Pflichtteil in Fällen bestehen, in denen man zwar im Testament bedacht worden ist, allerdings weniger erhalten soll als der Pflichtteil wert ist. Die Existenz und die Berechnung des Pflichtteils ist immer anhand des jeweiligen Einzelfalles zu prüfen, da viele weitere Aspekte relevant sein können, die man auf den ersten Blick nicht bedacht hat.

Wer ist pflichtteilsberechtigt?

Häufig verkannt wird, dass schon die Geschwister nicht mehr pflichtteilsberechtigt sind. Dagegen aber die Eltern, solange der Erblasser keine eigenen Kinder hat. Regelmäßig hat auch der Ehegatte oder der eingetragene Lebenspartner einen Anspruch auf seinen Pflichtteil. Bei Ehegatten gibt es zusätzliche Besonderheiten, wenn die Ehegatten ohne Ehevertrag verheiratet waren.

Wie hoch ist der Pflichtteil?

Der Pflichtteil besteht grundsätzlich aus der Hälfte des gesetzlichen Erbteils und berechnet sich der Höhe nach grundsätzlich aus dem Nachlasswert zum Zeitpunkt des Todes des Erblassers. Weiter finden Schenkungen des Erblassers zu Lebzeiten und innerhalb der letzten 10 Jahre Berücksichtigung (sog. Pflichtteilsergänzungsanspruch). Zur genauen Berechnung sind also im ersten Schritt die verschiedenen Familienkonstellationen unter Berücksichtigung der gesetzlichen Erbfolge zu betrachten, im zweiten Schritt wird der Nachlasswert betrachtet und ggf. Schenkungen berücksichtigt.

Was kann als Pflichtteil gefordert werden?

Wichtig zu wissen ist, dass der Pflichtteil ein Zahlungsanspruch ist, d.h. es können nicht bestimmte Gegenstände gefordert werden, sondern ausschließlich eine Zahlung eines bestimmten Betrages von dem/den jeweiligen Erben.

Kann ich eine Erbschaft ausschlagen und stattdessen den Pflichtteil verlangen?

Man kann auf die Idee kommen, die Erbschaft, die aus unliebsamen Gegenständen besteht, auszuschlagen und stattdessen eine Geldzahlung im Rahmen des Pflichtteils verlangen. Regelmäßig gibt das Gesetz allerdings hier keinen Pflichtteil. Wer ausschlägt, hat also keinen Anspruch auf den Pflichtteil. Hiervon gibt es wenige Ausnahmen, wie bspw. für Ehegatten oder für Erben, die nur als Vorerbe eingesetzt sind oder einen testamentarisch eingesetzten Testamentsvollstrecker akzeptieren müssten.

Wie lange kann ich einen Pflichtteil fordern?

Für die Forderung des Pflichtteils gegen den Erben hat man in der Regel 3 Jahre Zeit ab Schluss des Jahres, in dem man sicher Kenntnis von dem Tod des Erblassers und seiner eigenen Enterbung erfahren hat. Gesetzlich bestehen im Zweifel Höchstfristen von 30 Jahren ab dem Todestag.

Wie kann ich den Pflichtteil im Vorfeld reduzieren?

Es besteht die Möglichkeit, durch Schenkungen zu Lebzeiten die Berechnungsmasse für den Pflichtteil so weit zu reduzieren, dass bspw. das unliebsame Kind, das möglichst gar nichts erhalten soll, im Erbfall zumindest sehr viel weniger erhält. Zu beachten ist hierbei, dass man in diesem Falle mit Schenkungen möglichst frühzeitig beginnen sollte, da sich Schenkungen in den letzten 10 Jahren vor dem eigenen Tod noch auswirken können (hier greift der vormals beschriebene Pflichtteilsergänzungsanspruch, der sich – je mehr Jahre zwischen Schenkung und Erbfall liegt - herunterkürzt). Auch ist bei Schenkungen darauf zu achten, dass diese tatsächlich auch eine Schenkung darstellen und möglichst keine Gegenleistung vorsehen. Bei Übertragungsverträgen sind vorbehaltene Wohnrechte und Nießbrauchrecht im besonderen Maße zu beachten.

Kann ich den Pflichtteil im Gesamten entziehen?

Unter gewissen Voraussetzungen ist es auch möglich, Pflichtteilsberechtigen ihren Pflichtteil zu entziehen. Hierfür gibt es gesetzlich geregelte Ausnahmefälle, die bspw. dann greifen, wenn der Pflichtteilsberechtigte dem Erblasser nach dem Leben getrachtet hat oder seine dem Erblasser gegenüber obliegende Unterhaltspflicht böswillig verletzt hat.

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Unsere Mandanten über uns:

5/5 Sternen von M. H. bewertet am 09.09.2015 im Erbrecht (Pflichtteilsanspruch der Schwester nach dem Tod der Mutter.)

"Sehr gute Beratung in einer Erbschaftsangelegenheit."